Posted by: Redaktion | November 7, 2009

“Acting” – Wie heute leben in der Säkularisation

Wie sollen die Kapuzinerbrüder handeln? Nach den Vorträgen mit Themen franziskanischer Theologie diskutierten am Ende des Symposiums Referenten und Teilnehmer mit Generalminister Mauro Jöhri, was die Säkularisation für die Entwicklung des Kapuzinerordens bedeute. Alle nahmen dankbar die positive Sichtweise der Tagung auf, dass die scheinbare Verweltlichung der Menschen den Brüdern Türen öffne zu einem vertieften Verständnis des eigenen Glaubens, wie ihn auch Franziskus erfahren hatte: Dass Gott nicht aufhört, sich in seiner Welt zu offenbaren. Die franziskanischen Werte wie Itineranz, Leben mit den Armen und Brüderlichkeit könnten wiederbelebt werden. Dazu müsse sich auch das Gebet der Brüder wieder neu verstehen als Öffnung und Einlassung auf jenen Gott hin, der sich der Welt beständig öffne und sich auf sie einlasse.

Als Konsequenzen daraus müssten die Kapuziner heute zu einem soziale und kirchlichen Standortwechsel bereit sein, da die neue religiös-spirituelle Suche postmoderner Menschen fern der Institutionen ansetze. Es sei eine Existenz eher im Zelt als im Kloster erforderlich, d.h. stets aufbruchbereit und für die Menschen leicht erreichbar. Brüderlichkeit dürfe nicht nur innen gelebt werden, sodass sie an der Klosterpforte ende. Es müsse Wege gegangen werden, Fremdenängsten, Resten von Standesbewusstsein und Spuren von Rassismus aktiv zu begegnen. Ein echtes Brudersein mit den Zeitgenossen, die Kirchenhierarchien ebenso wie der Herrschaft von Ayatollahs misstrauten, sei die Aufgabe der Kapuziner. Die Minderbrüder müssten von dem Vertrauen gekennzeichnet sein, dass Gott jede Religion, ja jede menschliche Sehnsucht auf seine Weise inspiriert und ans gemeinsame Ziel der Menschheit führt.

In Folge der Säkularisation würde vieles enden, was bis jetzt im brüderlichen und pastoralen Handeln noch selbstverständlich sei. Die Worte des Ordensvaters angesichts seines Todes: „Brüder, lasst uns endlich anfangen!“ bekämen jetzt einen besonderen Klang. Die Säkularisation stoße definitiv einen Prozess der Umformung auf allen Ebenen an, in dem und durch den Gott selber zur Wandlung rufe.
Auch wenn man sich im Abschlussgespräch nicht gleich einigen konnte, was ordensweit verändert werden müsste oder zumindest in einigen Regionen Europas: Die für manche Brüder notvolle Erfahrung der Verweltlichung erhielt durch dieses Symposium ein positives Gewicht. Ein Bruder schrieb in den Kommentaren auf der Website zum Symposium http://symposium2009.wordpress.com : „O Herr, lehre uns, die Wirklichkeit anzunehmen; lehre uns Kenosis.“ Und ein anderer fasste in einem Flurgespräch den Wandel der Stimmung über die Entwicklungen der westeuropäischen Gesellschaft in die Worte: „Willkommen, Schwester Säkularisation.“

Advertisement

Categories

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.