Religion und Gesellschaft gehören zusammen, doch Staat und religiösen Institutionen sind dauerhaft getrennt. Zu diesem Schluss kamen am ersten Tag des Symposiums der westeuropäischen Kapuziner in Madrid die 96 Brüder, die sich in Referaten und Kleingruppen der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation in Europa stellten. Der Freiburger Religionssoziologe Michael Ebertz stellt heraus, dass die jahrhundertelange Verbindung von Staat und Kirche in Europa zu einer Art Befreiungsprozess führte, der die Religion mehr und mehr in den Privatraum verlegt. Wenn das Religiöse aus der Mitte der Gesellschaft in das persönliche Erleben und Belieben des Einzelnen gestellt sei, so merkte ein Mitbruder zurück, müssten wir um so mehr auf säkulare religiöse Formen aufmerksam werden und nannte dabei die quasireligiösen Zelebrationen etwa von Fußballspielen. Jean-Louis Schlegel, Redakteur der französischen philosophischen Zeitschrift Esprit wies auf die Gefahr hin, der unglaubliche Vielfalt der Glaubensmöglichkeiten mit einfachen und extremen Antworten begegnen zu wollen. Es gehe vielmehr darum, zu bekennen, das man selber zu denen gehöre, die nur schwer unter den Sinnangeboten ausmachen könnten, was wirklich tragfähig sei für das eigene Leben und die Zukunft der Gesellschaft. Sein Appell: Sich bescheiden der Arbeit des Verstehens der Situation der Mitmenschen zu widmen. Dies sei das Markenzeichen aller großen Missionare der Vergangenheit gewesen. Die Brüder nahmen diese Einladung gern an und begaben sich nach der Mittagspause in Arbeitsgruppen.
Posted by: Redaktion | November 5, 2009
Religion und Staat sind kein Paar mehr
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